Ich kenne Uwe durch meine Mitarbeit im Asylkreis, wo auch er sich engagiert. Ich kenne ihn als bei jedem Wetter Fahrradfahrenden, durchtrainierten, fitten Menschen. Ich wollte es nicht glauben, als ich zum ersten Mal hörte, wann er geboren wurde. Dieser sportliche, gutaussehende Mann sollte 1940 geboren sein? Ich musste mich verhört haben. Aber so unglaublich es auch für mich war – wenn Schwalmtal im Jahr 2020 50 Jahre Schwalmtal feiert, dann kann er auf 80 Jahre zurückblicken. Das beweist aber auch wieder: Intelligenz, Weltoffenheit und Engagement kennen kein Alter. Und es motiviert mich – vielleicht schaff ich ja doch noch irgendwann einen Roman, wenn ich nur noch lange genug Leben lebe und erlebe, wie Dinge passieren. Wenn ich nur noch lange genug Geschichten sammeln kann. Denn Dr. Uwe Geilert, geboren 1940, ist Stand heute siebenfacher Buchautor. Ein Vorbild.

Uwe Geilert eröffnet Literarischen November 2019

Usch Freitag eröffnet den literarischen November 2019 und stellt Uwe Geilert dem Publikum vor. Foto: Biggi Mestmäcker

Am 31.10. hat er den diesjährigen Literarischen November in der Buchhandlung am Dom eröffnet und aus seinem jetzt in aktualisierter Auflage erschienenen Roman „Der Goldrahmen“ gelesen. Eine Zuhörerin im Publikum fragte ihn, wie er zum Schreiben gekommen sei, und er antwortete sinngemäß: „Nun ja, ich habe viel erlebt in meinem Leben und wollte all das mal aufschreiben. Aber wer interessiert sich schon für Autobiografien, wenn man nicht gerade Adenauer heißt? Also hab ich meine Erlebnisse in Geschichten gepackt.“ Er lässt seine Leser*innen erleben, was er erlebt hat.

Weit gereist, viel erlebt

Dr. Uwe Geilert hat als Ingenieur viele Jahre im Ausland verbracht. Er spricht neben Englisch auch Spanisch und Afrikaans, mehrere Jahre arbeitete er in einer Zuckerfabrik in Peru, 16 Jahre lebte er in Südafrika. Es wundert also nicht, dass eines seiner Bücher den Titel „Das Kap“ trägt, sein historischer Roman ‚Albatros‘ in Südafrika spielt und ein anderer Roman mit „Totora“ betitelt ist, dem Namen einer Schilfbinse, aus der die Küsten-Peruaner ihre Boote bauen. 1992 kehrte Geilert nach Deutschland zurück und lebt seitdem in Waldniel. Es sind jedoch nicht nur Romane, die auf seiner Publikationsliste stehen – da ist auch „Andalusien – Land der drei Kulturen“ – offenbar ein Produkt einer Reise, die Geilert dorthin unternommen hat. Und in „Wein Zeit Mensch“, erschienen im Oktober 2010, beweist Geilert, dass er auch vom Wein, dem Weinbau und seiner Geschichte eine ganze Menge versteht. (Kein Wunder – hatte seine Frau doch einige Zeit eine kleine, feine Weinhandlung in Waldniel.)

Foto: Biggi Mestmäcker

 

 

 

 

 

 

Apropos Wein. Es gibt so Trigger, denen kann ich mich nicht entziehen. Und so beschließe ich an dieser Stelle, dass ich mir jetzt erst mal ein Glas Wein aus der Küche hole, bevor ich an diesem Beitrag weiterschreibe. Und jetzt kann es weitergehen mit den historischen Romanen Geilerts, von denen ich eigentlich erzählen wollte. Im Sommer 2016 erschien ‚Vincentas Erbe‘, der im Valencia des 18. Jahrhunderts spielt. Im Sommer 2019 legte der Autor ihn noch einmal überarbeitet neu auf.  Wie in der Zeitung zu lesen war, sagte seine Nachbarin, die Inhaberin der Buchhandlung am Dom, nachdem sie „Vincentas Erbe“ gelesen hatte: „Der kann richtig gut schreiben.“ Das ist „eine Mischung aus tollem Ausdruck, Wissen und Recherche.“

Jüngstes Werk: Der Goldrahmen

Und genau das ist auch bei seinem nächsten historischen Roman der Fall. ‚Der Goldrahmen‘ – das erste Buch, mit dem ich selbst hautnah in Kontakt gekommen bin. Eben bei jener Eröffnungslesung des Literarischen Novembers 2019 am 31.10. im Hinterzimmer von Usch Freitags Buchhandlung am Dom. Ihr Fazit lautete kurz und bündig: „Gut gelaunte Gäste im ausgebuchten Hinterzimmer und ein Autor, der uns mitnahm auf seine literarische Zeitreise.“

Man kann Uwe Geilert wirklich gut zuhören, wenn er liest. Ich hätte mir dennoch ein paar mehr eingestreute Erzählungen gewünscht. Trotzdem: Richtig blöd war nur, dass er so kurz vor Schluss aufhörte zu lesen. Jede und jeder im Raum hätte sicher sehr sehr gerne noch gehört, wie es weiter ging. Aber Geilert ist nicht nur ein vielseitiger Autor, er ist auch ein erfahrener Geschäftsmann. Und als solcher weiß er ganz offenbar, wie man die Menschen in einer Lesung dazu bringt, das Buch zu kaufen. 😉 Und so waren am Ende des Abends seine sämtlichen Bücher ausverkauft.

Auseinandersetzung mit der jüngsten Vergangenheit – heute so wichtig wie nie zuvor

„Der Goldrahmen“ ist wieder ein historischer Roman, allerdings spielt seine Geschichte in der jüngeren Geschichte, im Nationalsozialismus. Auch hier hat der im zweiten Kriegsjahr geborene Autor seine Erinnerungen einfließen lassen. Und tatsächlich führt die Handlung auch hinaus aus Deutschland bis hin nach Südamerika, wo er in seiner beruflichen Zeit auch Opfer und Täter der NS-Zeit im Exil kennenlernte. Auch für dieses Buch verarbeitete er sicher das ein oder andere seiner Erlebnisse in Übersee und sonst wo auf der Welt, aber seine Motivation zu diesem Buch war dieses Mal eine andere. „Ich wollte meinem Vater mit diesem Roman ein Denkmal setzen.“ Das ist ihm mit diesem Buch und seiner Figur namens ‚Lehmann‘ auf jeden Fall gelungen.

Abschließend möchte ich Uwe Geilert selbst zitieren. Er schreibt auf der allerersten Seite seines Buches, eine Art Meta-Seite, unter dem Punkt „Der Anlass“ u.a. das Folgende:

„Geschichte ist Summe und Spiegelbild menschlichen Handelns. In ihr erkennen wir uns wieder. Ob wir daraus Erkenntnisse ableiten, hängt davon ab, wie wir mit ihr umgehen. ‚Die alten Kamellen‘ auf sich beruhen zu lassen, ist dabei wenig hilfreich.“

Damit hat er so Recht. Ich möchte raten: Kauft und lest dieses Buch. Es war nie so wichtig wie heute, sich unsere jüngste Vergangenheit ins Gedächtnis zu rufen. Und wenn man dabei auch noch gut unterhalten wird, ist das doch eine perfekte Mischung.

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