Foto: Biggi Mestmäcker

Rote Lampions, goldene Löwen und in den Speisekarten wimmelt es von Zusatzstoff-Zahlen. Alles schmeckt ganz schön verstärkt. Glutamat lässt grüßen. Und man wünscht sich, man hätte Sportschuhe angezogen, weil die Wege zum Buffet in dem übergroßen Restaurant mit dem Charme einer Bahnhofshalle so weit sind. Gibt es jemanden, der jetzt noch nicht weiß, dass hier von einem typischen China-Restaurant in Deutschland die Rede ist?

Wer so etwas sucht, ist in dem kleinen Restaurant auf der Ecke Marktstraße/Lange Straße in Waldniel ganz falsch. Das Restaurant heißt auch nicht Asia, Peking, Thai Garden, Lotus, Mandarin oder Shanghai. Es heißt ganz und gar unklangvoll, aber Waldnielern vertraut: Hotel Rath. 

Das Haus steht dort, als habe es immer dort gestanden und gefühlt ist das auch so. Fans der chinesischen Küche kehren dort allerdings erst seit Ende 2012 ein, denn seit diesem Jahr betreibt Dina Bao das kleine, aber feine Hotel mit dem angeschlossenen Restaurant. So mancher Hotelgast hat sicher schon nicht schlecht gestaunt, wenn er sich morgens zum Frühstück in einem chinesischen Restaurant wiederfand.

Überrascht, und zwar angenehm, wird auch der Restaurantbesucher, der zum ersten Mal das Restaurant betritt und ein China-Restaurant à la „Shanghai Garden“ erwartet. Allein schon die Inneneinrichtung ist so ganz und gar anders – chinesischen Deko-Schnickschnack gibt es keinen und auch ein Aquarium sucht man vergebens. Wir finden uns wieder in dem schlichten, aber stilvollen zweigeteilten Gastraum eines Traditionshauses. Rechts vom Eingang die Theke, links ein Tisch, auf dem man sich ein Schild mit der Aufschrift ‚Stammtisch‘ durchaus vorstellen könnte.

Als ich dort mit einer Freundin an einem Dienstagabend zum Essen einkehrte, war dieser Tisch besetzt mit einer Gruppe, die offensichtlich nicht zum Essen gekommen waren, sondern bei Bier und Wein besprachen, was sie zu regeln hatten. An einer weiteren langen Tafel traf sich eine größere Familie zu einem gemeinsamen Essen. Wir hatten uns an einem der Vierer-Tische im zweiten Teil des Gastraumes niedergelassen – gegenüber von uns eine größere Gesellschaft. Die sympathische Atmosphäre einer Dorfgaststätte. Viele kennen einander, aber auch als Fremde fühlt man sich nicht fremd.

Die Speisekarte ist nicht so erschlagend umfangreich wie in so manch anderem China-Restaurant, lässt aber dennoch nichts zu wünschen übrig. Und vor allem: keine einzige kleine Zahl hinter irgendeiner Speise, die auf Zusatzstoffe hinweisen würde. Wenn dann eine der beiden freundlichen, asiatischen Damen mit den bestellten Speisen an den Tisch kommt, fallen als erstes die silbernen Gloschen auf. Unter einer Silberhaube hat man mir schon lange kein Gericht mehr serviert. Meine Sinne waren ad hoc auf Genuss eingestellt. Und sie wurden nicht enttäuscht.

Meine Begleitung bestellt Ente süßsauer, ich hab Chao San Xian gewählt, typische Wahl einer, die sich nicht entscheiden kann: gebratene Hühnerbrust, Schweinefleisch,  Hummerkrabben und verschiedene chinesische Gemüse stehen da nun duftend vor mir. Als Beilage hab ich gebratene Nudeln gewählt – sie wird mir extra auf den Teller getan. Echter und wohltuender Service hier im Hotel Rath an diesem Dienstagabend. Endgültig überzeugt bin ich dann, nachdem ich die erste Gabel im Mund habe. Hier schmeckt nichts nach Zusatzstoffen. Auch keine Spur von Glutamat. Alles schmeckt pur und gut. Jetzt weiß ich also, wie sie schmeckt, die gutbürgerliche chinesische Küche, mit der draußen auf dem Schild geworben wurde. Ich kann sie wirklich von Herzen empfehlen.


*Ich wurde zu diesem Beitrag weder aufgefordert, noch wurde ich dafür bezahlt. Es handelt sich um Werbung aus Überzeugung.

 

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