Als ich davon zum ersten Mal las, dachte ich, klasse,  hat sich doch in Schwalmtal nun auch eine FFF-Gruppe gebildet. Aber bei näherem Hinsehen – es war ja eben nicht Fridays for Future, sondern SFF – Schwalmtal for Future. Was ist das denn wohl, wer und welche Ziele verbergen sich dahinter? Ich hab zunächst mal gegoogelt und schon war klar: Aha, Ursprungsort dieser Interessengemeinschaft ist das kleine, kreative Waldhufendorf … 😉 Ich wollte mehr erfahren über diese IG und wandte mich an Anita Draken, die sich in der IG Schwalmtal for future engagiert. Gemeinsam mit Wobine Crisp, Sprecherin der Initiative, hat sie meine Fragen beantwortet.

Die IG Schwalmtal for Future ist noch jung. Ich las, sie habe sich erst 2019 gegründet. Wer hat sie gegründet und warum? Gab es einen konkreten Anlass?

„Die IG Schwalmtal for Future ist eine Interessengemeinschaft, entstanden aus der schon seit langem bestehenden Ablehnung der Erweiterung der Kiesgrube in Lüttelforst. Ein großer Teil der Bürger von Lüttelforst wehrt sich – unterstützt von der örtlichen Bürgerstiftung und dem Förderverein – seit vielen Jahren gegen diese Erweiterung. Ein Teil dieser Bürger hat sich dann in Form einer IG im Frühjahr 2018 organisiert, um gezielter und besser für ihre Interessen eintreten zu können.“

Kiesgrube in Lüttelforst Foto: Werner Lüders

Falls nicht Sie Frau Draken zu den Gründer*innen gehören – was verbindet Sie mit der IG, was ist Ihre Rolle dort?

„Ich gehöre nicht zu den Gründungsmitgliedern. Ich stieß in Viersen, bei einer Fridays-for-Future-Demonstration auf Mitglieder der IG und freute mich, umweltaktive Bürger aus Schwalmtal zu finden. Da mir der Natur- und Umweltschutz sehr wichtig ist und ich mich gerne dafür engagiere, habe ich mich der IG angeschlossen. Zurzeit ist meine Rolle zum einen Unterstützung bei dem Erstellen der Webseite, verschiedene Aufgaben bei der Organisation von Aktionen, Schreiben von Artikeln und Internetaktivität.“

Der Name suggeriert es – was verbindet die Interessengemeinschaft mit Fridays for Future?

„Der Einsatz für Natur-, Umwelt- und Klimaschutz. Hier konzentrieren wir uns vornehmlich auf den lokalen Einsatz. Wir stehen in enger Kommunikation auch mit den Parents for Future Kreis Viersen und unterstützen uns gegenseitig, so weit wie möglich, bei den verschiedenen Aktionen oder Besuchen in den Kreis-Ausschüssen.“

Wer sind Ihre Mitglieder? Warum beteiligen sich die Menschen bei Ihnen?

„Die Mitglieder kommen hauptsächlich aus Lüttelforst (das liegt an dem Entstehungsgrund) und Waldniel. Diese Menschen möchten nicht nur reden, sondern handeln. Auch wenn Kiesabbau ein Hauptthema ist, um dessen Relevanz (z.B. die Auswirkung auf das Klima) viele Leute im Kreis gar nicht wissen, geht es weit darüber hinaus.“

Was hat die IG Schwalmtal for Future in der Vergangenheit bereits gemacht, können Sie Aktionen auflisten?

Die Liste, die mir Anita Draken schickte ist lang und ansehnlich:

  • Plakat-/ Flyer-/Postkartenaktionen zum Thema Kiesabbau
  • Eingaben an Gemeinde und Kreis
  • Teilnahme an Demos (z.B. FFF)
  • Besuche in Umwelt- und Planungsausschüssen (Gemeinde, Kreis, Landtag)
  • Verbreitung naturwissenschaftlich fundierter Sachinformation auf Gemeinde-, Kreis-, Landesebene
  • Gespräche mit Abgeordneten und Sachbearbeiter*innen auf Kreis- und Landesebene
  • Mahnwachen (Kreis- und Gemeindeebene)
  • Aktionen auf Landesebene: z.B. symbolische Übergabe von Wasserflaschen der lokalen Wasserwerke an den Landtag NRW im Rahmen einer Aktion mit dem Niederrheinappell e.V. gegen die geplante Änderung im Landeswassergesetz: Laut Landesregierung sollen Wasserschutzgebiete
    für den Abbau von oberflächennahen Rohstoffen (bei uns am Niederrhein Kies) freigegeben werden.
  • Öffentlichkeitsarbeit, Leserbriefe (z.B. RP), Teilnahme an Aktionen und Vernetzung mit anderen Gruppen im Sinne des Umwelt-, Natur- und Klimaschutzes.
Die IG Schwalmtal for future bei einer Mahnwache anlässlich einer Sitzung des Kreistages Anfang November 2020 in Viersen. Foto: Werner Lüders

Und was ist für die Zukunft geplant?

  • Internetauftritt (schon weit fortgeschritten im Aufbau, es fehlen noch einige Bildrechte)
  • weitere Öffentlichkeitsarbeit
  • Durchführung eigener Aktionen vor Ort
  • Einleitung einer Petition zum Thema Trinkwasser/Wasserschutzgebiete
  • weitere Informationsgespräche auf Land- /Kreis-/Gemeindeebene

Was erwartet eine*n, wenn man sich in der oder für die IG Schwalmtal for Future engagieren will? Was kann man konkret beitragen?

Eine offene, freundliche und solidarische Gemeinschaft, bei der sich die Mitstreiter*innen nach ihren Vorlieben und Fähigkeiten jederzeit für das gemeinsame Ziel auf ihre Weise einbringen können.

Ich las, dass sich die IG dem Aktionsbündnis Niederrheinappell im April 2018 angeschlossen hat. Was verbirgt sich dahinter?

„Der Niederrheinappell fasst die Forderungen vieler Bürgerinnen und Bürger, Verbände, Vereine und Politiker zusammen, die sich für einen nachhaltigen Umgang mit der Rohstoffreserve Kies am Niederrhein einsetzen.“ So steht es auf der Website des  Aktionsbündnisses Niederrheinappell, Anita Draken  führt weiter aus:

„Da der Niederrhein besonders betroffen ist vom Kiesabbau, befasst dieses Bündnis sich schon seit vielen Jahren mit diesem Thema und den Schäden an Natur, Umwelt und menschlichem Lebensraum und setzt sich für den Schutz von Ackerland, Landwirtschaft, Nahrungssicherheit, Klima und Landschaft ein. Auch der Kreis Viersen hat im Verhältnis zum restlichen NRW einen überdurchschnittlich hohen Pro-Kopf-Abbau dieses Rohstoffes (5,6 t Kies/Bürger/Jahr Kreis Viersen, 3,9 t/Bürger/Jahr NRW: Zahlen, die im Umwelt- und Planungsausschuss des Kreises Viersen genannt wurden), was auch einen überdurchschnittlich hohen Verlust an Ackerland bedeutet. Viele Feststellungen und Forderungen des Niederrheinappells treffen auch auf unsere Region zu.“

Ackerfläche in Lüttelforst Foto: Werner Lüders

Und gibt es etwas, das Sie unbedingt loswerden möchten, was ich aber gar nicht gefragt habe?

„Die IG Schwalmtal for Future handelt in erster Linie im Interesse von Schwalmtaler*innen, die das Naherholungsgebiet Schomm mit dem Waldhufendorf Lüttelforst erhalten und damit eine große Artenvielfalt und seltene Kulturlandschaft für künftige Generationen bewahren wollen. Weniger bekannt ist die globale Bedeutung von Flächenverlust, besonders der Verlust von Ackerland – dieser aber betrifft uns alle wegen der dann fehlenden CO2-Speicherung der Pflanzen. Auf Bundesebene ist das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015 mit einer maximalen Erderwärmung von 2o C nur zu erreichen, wenn weniger fossile Brennstoffe benutzt werden und gleichzeitig mehr CO2 aus der Luft entnommen wird – über grüne Pflanzen (Fotosynthese). Kiesabbau jedoch vernichtet Ackerland. Je mehr Menschen sich dieser Zusammenhänge bewusst werden und sich gemeinsam für das nötige Umdenken einsetzen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, endliche Ressourcen schonen und der Klimakrise begegnen zu können.“

Vielen Dank für die aufschlussreichen Antworten! Falls jemand noch mehr wissen oder bei der IG Schwalmtal for future mitmachen möchte, kann er sich gerne an Anita Draken oder an die Sprecherin der Initiative Wobine Crisp wenden.

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