Manchmal ist es nicht der Kühlschrank, nicht der Nachbar mit der Wärmepumpe und auch nicht der Lieferservice mit laufendem Dieselmotor. Ein lautes Dröhnen, das sich durch Wände schleicht, in geschlossene Wohnungen krabbelt und sich dann frech im Kopf festsetzt. Gern auch nachts, wenn man eigentlich nur schlafen möchte.
Genau das berichten seit Monaten viele Menschen aus Waldniel, und hier sind vor allem Anwohner*innen an der Schomm und in Ungerath betroffen. Ein sehr störendes, belastendes Geräusch, von einigen beschrieben wie „ein LKW vor der Tür“. Und das in der Nähe unserer sonst so ruhigen, idyllischen Schomm.
Auffällig: Seit der Inbetriebnahme der Windenergieanlagen im September 2025 tritt es auf. Ein Zusammenhang ist also nicht ausgeschlossen, aber richtig geklärt ist es bisher noch nicht.
Damit das nicht im Nebel der Vermutungen bleibt, haben wir jemanden losgeschickt, der sich auch von tiefen Tönen nicht einschüchtern lässt: Unser neuer Magazin-Detektiv Kalle Klarblick war für uns unterwegs.
Lebendiges-Schwalmtal.de hat mit ihm gesprochen.
Kalle, du warst vor Ort. Was ist da los?
Kurz gesagt: Da brummt was – und zwar nicht nur „ein bisschen“. Menschen hören es teils tagsüber, aber besonders häufig wird es ab 22:00 Uhr als stärker und schlafraubend wahrgenommen. Und ja: Es ist so ein Ton, der sich nicht benehmen will, der geht durch Türen und Fenster, als wären sie nur Deko.
Wo und wann hast du danach gesucht?
Am 22.01.2026, zwischen 21:45 und 00:30 Uhr. Ich bin mehrere Standorte abgefahren, von der L371 über Ungerath bis Richtung Ortsmitte/Norden. Ich kann jetzt auf jeden Fall dies sagen:
- Ab ca. 22:00 Uhr wurde das Brummen an der L371 hörbar.
- In Ungerath war es deutlich zu hören.
- In Richtung Leloh, in der Nähe von Windenergieanlage (WEA) 7 war es nicht mehr hörbar.
- Im Ort war es nachts mucksmäuschenstill, keine Autobahn, kein Wind, da war es wieder sehr deutlich zu hören.
Klingt nach einer Spur. Hast du mehr Indizien?
Ja klar. Und jetzt wird’s spannend: Der Ton liegt im Bereich 50–75 Hertz (Hz). Das sind sehr tiefe Frequenzen, also eher „Bass“. In dem Moment mit 45 dB(A) Lautstärke auch deutlich wahrnehmbar.

50–75 Hz… ist das Infraschall?
Nein. Infraschall wäre unter 20 Hz. Hier sprechen wir von einem tieffrequenten Brummton. Der ist hörbar für das menschliche Ohr und vor allem nervig, ja regelrecht belastend, weil er sich „festsetzt“ im Kopf.
Wie würdest du den Ton beschreiben?
Stell dir eine Waschmaschine im Laugenwaschgang oder eine gefüllte Betonmischmaschine vor. Nicht vom Klang wie Musik, sondern vom wummernden Verlauf. Der Ton ist schwingend, teils mit Unterbrechungen. Und wer ihn einmal hört, sucht den Störenfried danach überall. Dieser nervige Brummton hat nichts mit dem normalen Windradbetrieb zu tun.
Und wie sicher ist, dass es von den Windrädern kommt?
Einige Windräder schalten um 22 Uhr in einen Nachtmodus. Der zeitliche Zusammenhang ist da schon sehr auffällig. Ein anderer Verursacher ist nicht völlig ausgeschlossen. Darum braucht’s jetzt das, was Detektive lieben: klare Beweise statt Bauchgefühl.
Und wie geht’s derweil weiter?
Es gibt eine öffentliche Facebook-Gruppe, in der sich Betroffene austauschen, in dieser Gruppe sind auch Menschen mit technischem Know-how. Das Thema ist inzwischen auch in der Politik und der Verwaltung von Schwalmtal angekommen. Im Umweltausschuss wurde eine Anfrage der Grünen verlesen und der Betreiber der Anlage hat weitere Maßnahmen in Aussicht gestellt, unter anderem sollen professionelle Messungen durchgeführt werden. Gut so!
Endlich passiert was und man nimmt die Betroffenen nicht länger als Windradablehnende – denn das sind sie meist gar nicht – sondern als wirklich Geschädigte wahr.
Kalle Klarblick, wir danken für deinen Einsatz und für das informative Gespräch.
