Im Nachlass meines Vaters fand ich einige wirklich schöne Zeichnungen eines Mannes, den ältere Waldnieler*innen vielleicht noch kennen: Marcel Schlag, ein Architekt mit großem Zeichentalent und offenbar einer Liebe zu Waldniel. Zumindest deuten seine vielen Zeichnungen mit Waldnieler Ansichten daraufhin. Marcel Schlag ist bereits 1990 verstorben. Ich bin froh, seine Bilder entdeckt zu haben. Sie gefallen mir. Und sie inspirieren mich. Zum Beispiel zu diesem Beitrag über die Niederrheinische Kaffeetafel.
Was dieses Bild einer Ansicht im Herzen Waldniels mit einer niederrheinischen Kaffeetafel zu tun hat, verstehen einige Leute bestimmt auf Anhieb. Alle anderen vergleichen Schlags Zeichnung bitte mit dem Foto von Werner Lüders, dass er etwa 30 Jahre später aufnahm. Ich musste sofort an Werners Foto denken, als ich diese Zeichnung sah und ich erinnerte mich an die Niederrheinische Kaffeetafel, veranstaltet von den Roniwerken.
Früher wusste jedes Kind am Niederrhein, was sich hinter einer niederrheinischen Kaffeetafel verbirgt. Heute mögen manche glauben, man nenne so was vielleicht neudeutsch Brunch. Aber das ist noch lange nicht dasselbe. Allein schon die Zeit. Ein Brunch verbindet Frühstück und Mittagessen (Breakfast + Lunch = Brunch), die niederrheinische Kaffeetafel ist aber eher ein Kompromiss zwischen Kaffee und Kuchen am Nachmittag und Abendbrot.
Entstanden ist sie wohl aus ganz pragmatischen Überlegungen heraus. Man hatte was zu feiern, lud Gäste ein, und um sich nicht um Kaffee und Kuchen am Nachmittag und dann zwei Stunden später schon wieder um das Abendessen kümmern zu müssen, hat die pragmatische Niederrheinerin ganz einfach die niederrheinische Kaffeetafel erfunden. Hier findet jeder, was schmeckt und man muss keine Extrawürste braten. Heutzutage ist eine niederrheinische Kaffeetafel auch eine nette Möglichkeit, die vielen verschiedenen Ernährungsgewohnheiten: vegan, vegetarisch, „Fleisch ist mein Gemüse“, glutenfrei, laktosefrei, usw. usf. unauffällig zu vereinen. Denn genau dafür wurde – so glaube ich – die niederrheinische Kaffeetafel erfunden: damit wirklich jede*r etwas Leckeres auf dem Tisch findet.
Basics – diese Zutaten dürfen auf einer Niederrheinischen Kaffeetafel nicht fehlen:

- Schwarzbrot und Rosinenbrot
- Butter und Quark
- Leberwurst und Blutwurst
- Rübenkraut und Pflaumenmus
- Gouda-Scheiben
- Marmelade
- Prummetaat (=Pflaumenkuchen)
- Zimt, Zucker und Schlagsahne
Diese Liste kann man um beliebig viele weitere Köstlichkeiten ergänzen. Wichtig ist nach niederrheinischer Tradition vor allem eines: es muss Süßes und Herzhaftes geben. Ich werde nie den Blick meiner Freundin aus Hannover vergessen, als ich ein süßes Rosinenweißbrot mit Pfeffer-Salami belegte. Aber auch rheinisches Schwarzbrot mit Quark und Rübenkraut schmeckt gut. 😉 Und zum Nachtisch dann ein schönes Stück Pflaumenkuchen mit Zucker, Zimt und Sahne. Hmmmm.

Zeichnung: Marcel Schlag
Fotos Waldniel/Kaffeetafel: Werner Lüders
Foto Pflaumenkuchen: Canva Pro

